Mit ihrer neuen Nachhaltigkeitsstrategie setzen sich die Volkswagen Financial Services ambitionierte Ziele. Frank Fiedler, Vorstand für Risiko, Steuern und Recht der Volkswagen Financial Services AG, erläutert im Interview mit der Unternehmenskommunikation die strategische Bedeutung der neuen Nachhaltigkeitsstrategie für unser Geschäftsmodell sowie deren Eckpfeiler.
Volkswagen Financial Services hat eine neue Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Warum?
Fiedler: Eins ist klar: Als führender Anbieter von Finanz- und Mobilitätslösungen in Europa müssen wir unserer Verantwortung für zukünftige Generationen gerecht werden. Schließlich wollen wir die Zukunft der Mobilität langfristig mitgestalten. Dazu gehört insbesondere die Transformation zur emissionsfreien Mobilität. Gleichzeitig sehen wir im Bereich Nachhaltigkeit eine riesige Chance für uns als Unternehmen – vor allem auch als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb. In unserer neuen Nachhaltigkeitsstrategie verzahnen wir deshalb diese beiden Elemente: Wir wollen einen Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft leisten und die sich daraus ergebenden Chancen für unser Geschäftsmodell nutzen.
Das heißt, unser zukünftiger Geschäftserfolg hängt auch von unserer nachhaltigen Wirtschaftsweise ab?
Fiedler: Absolut. Schon heute fragen Investoren und Ratingagenturen eine Vielzahl von Nachhaltigkeitskriterien ab. Fakt ist, dass wir uns zukünftig günstiger refinanzieren können, wenn wir bei Nachhaltigkeitsratings positiv abschneiden. Das hat einen unmittelbaren Effekt auf die Konditionen, die wir unseren Kunden anbieten können. Und auch unsere Flottenkunden erwarten von uns im Rahmen ihres eigenen Lieferkettenmanagements, dass wir nachhaltig wirtschaften und sie bei der Dekarbonisierung unterstützen. Hinzu kommen regulatorische Anforderungen. Das alles zeigt: Nachhaltigkeit ist mittlerweile hochgradig relevant für den Erfolg unseres Geschäfts.
Lass uns einen Blick auf die konkreten Inhalte der Strategie werfen. Welche Bereiche stehen im Fokus?
Fiedler: Wir haben vier Fokusbereiche definiert: Natur, Mitarbeitende, Gesellschaft und Business. Im Bereich Natur spielt das konsequente Senken von CO2-Emissionen eine Schlüsselrolle. Insgesamt wollen wir als Volkswagen Financial Services bis 2030 sowohl unseren Geschäftsbetrieb als auch unser Fahrzeugportfolio bilanziell CO2-neutral gestalten. Dabei berücksichtigen wir sowohl die direkten Emissionen, die wir durch Stromverbrauch, Heizung, Kühlung, Dienstreisen oder unsere Dienstwagenflotte verursachen, als auch die direkten Emissionen der Fahrzeuge, die wir finanzieren oder verleasen. Mit diesem Ziel sind wir sehr ambitioniert unterwegs.
Was genau meinst du mit „bilanziell CO2-neutral“?
Fiedler: Wir wollen, dass unser Geschäftsbetrieb einen möglichst geringen Einfluss auf das Klima hat und unsere CO2-Bilanz als Unternehmen ausgeglichen ist. Dabei folgen wir dem Motto: Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren. Das heißt: Wir senken einerseits unsere eigenen CO2-Emissionen im Geschäftsbetrieb so konsequent wie möglich und unterstützen andererseits zielgerichtet den Markthochlauf zur E-Mobilität. Aber, diese Transformation braucht Zeit. Und sie verläuft je nach Markt unterschiedlich schnell. Nichtsdestotrotz wollen wir schon heute einen Beitrag leisten. Deshalb haben wir uns bewusst dazu entschieden, die aktuell nicht vermeidbaren CO2-Emissionen aus der Nutzung der finanzierten und verleasten Fahrzeuge durch qualitätsgesicherte Klimaschutzprojekte zu auszugleichen.
Wie genau können wir uns diese Klimaschutzprojekte vorstellen?
Fiedler: Ein gutes Beispiel ist unsere langjährige Zusammenarbeit mit dem NABU, die wir im Rahmen eines europäischen Großprojekts in diesem Jahr weiter skalieren. Hier steht vor allem der Schutz von Mooren im Fokus. Außerdem arbeiten wir eng mit Volkswagen ClimatePartner zusammen. Das 2023 gegründete Joint Venture entwickelt und finanziert Klimaschutzprojekte, die strenge Standards erfüllen und nachweislich Emissionen kompensieren. Unsere ersten beiden Leuchtturmprojekte haben wir in Brasilien und Südafrika. Alle unsere Klimaschutzprojekte eint: Sie sind unabhängig verifiziert, langfristig und werden in enger Kooperation mit lokalen Gemeinden, Experten und auch Mitarbeitenden umgesetzt.
Wie sieht es mit den anderen Schwerpunkten aus. Sind diese gleich wichtig?
Fiedler: Auf jeden Fall. Unsere Mitarbeitenden sind das Herzstück unseres Unternehmens. Deshalb leben wir eine Kultur der Wertschätzung, des Vertrauens und der Weiterentwicklung. Wir werden deshalb noch stärker in Aus- und Weiterbildung unseres Teams investieren. Darüber hinaus setzen wir uns konsequent für Vielfalt, Inklusion und vor allem Gleichberechtigung ein. Im Bereich Gesellschaft wollen wir unsere Rolle als Corporate Citizen noch stärker wahrnehmen. Hier sind wir schon heute am Standort Braunschweig gut aufgestellt, und auch unsere Landesgesellschaften setzen tolle Projekte um. Übrigens nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung auch durch eine starke Cyber-Security-Strategie wahr. Denn auch der Schutz von sensiblen Daten und die Abwehr von Cyber-Bedrohungen sorgen für Stabilität unseres Wirtschaftssystems und unserer Gesellschaft.
Eine weitere Dimension ist der Bereich Business. Wie kann unser Geschäft hier einen nachhaltigen Beitrag leisten?
Fiedler: Wir sind Tochter und Absatzförderer der Volkswagen AG. Und auch wir sind fest davon überzeugt: Die Zukunft wird elektrisch sein. Deshalb treiben wir die Mobilitätswende entschlossen voran. Gemeinsam mit den Marken des Konzerns entwickeln wir attraktive Angebote, damit Elektromobilität erschwinglich wird. Das ist und bleibt unser Kerngeschäft. Gleichzeitig unterstützen wir unsere Flottenkunden bei der Elektrifizierung ihrer Fuhrparks. Hier haben wir insbesondere durch unser starkes Leasinggeschäft einen echten Hebel. Aber auch in unserer Rolle als Automobilbank leisten wir einen Beitrag, etwa indem wir den Anteil nachhaltiger Refinanzierung am Kapitalmarkt erhöhen.
Wo stehen wir gerade?
Fiedler: Alle unsere definierten Ziele sind auf das Jahr 2030 ausgerichtet. Allerdings haben wir beispielsweise für die Reduktion der CO2-Emissionen unseres Geschäftsbetriebs für 2025 ein klares Zwischenziel definiert. Im Rahmen dessen wollen wir unsere Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 2021 um 50 Prozent reduzieren. Aber: Anhand unserer Vorschau sehen wir schon jetzt, dass wir dieses Ziel nicht erreichen werden – so ehrlich muss man sein. Ein wesentlicher Grund dafür ist der noch zu geringe Anteil von E-Fahrzeugen innerhalb unserer Dienstwagenflotte sowie die Dienstreisen. Außerdem fehlen uns derzeit noch Produkte mit einer CO2-Kompensationsmöglichkeit für unsere Kunden. Das zeigt: Wir haben noch einen langen Weg vor uns und werden uns diese Themen nochmal genauer anschauen müssen.
Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Fiedler: Unabhängig von den genannten Herausforderungen ist das Thema Nachhaltigkeit fester Bestandteil unserer Strategie MOBILITY2030 und nun mit klaren Zielen hinterlegt. Dabei ist es uns wichtig, regelmäßig über unsere Fortschritte zu berichten. So wollen wir Transparenz gewährleisten, Vertrauen schaffen und vor allem motivieren. Es ist uns ein Anliegen, alle Mitarbeitenden an Bord zu holen und Begeisterung für das Thema zu schaffen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Unsere Nachhaltigkeitsstrategie
Weitere Details zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie, den jeweiligen Zielen sowie über unsere Projekte sind unter folgendem Link zu finden.